Serielles Bauen

Jüngst widmete sich das Handelsblatt (leider nicht online) dem Thema effizienten Bauens. Reiner Reichel schreibt in seinem Artikel unter anderem:

Wenn Christoph Gröner, geschäftsführender Gesellschafter des Wohnprojektentwicklers CG Gruppe auf Konferenzen auftritt, rechnet er gerne an einem historischen Beispiel vor, welche Produktivitätsfortschritte sich erzielen lassen, wenn ein in seiner Bauart genehmigtes Produkt in Serie gefertigt werden kann. Ein VW Golf sei heute trotz besserer Ausstattung nur 8,5-mal so teuer wie ein VW Käfer früher. Doch die Miete für eine 70-Quadratmeter-Wohnung sei 28-mal so hoch. Aus seiner Sicht bringt serielles Bauen einen Produktivitätsfortschritt, der es ermöglicht billiger zu bauen. Doch die Diskussion um Kosten geht wild durcheinander, weil Äpfel mit Birnen verglichen werden.

Projektentwickler behaupten, für weniger als 4 000 Euro pro Quadratmeter lasse sich in deutschen Großstädten nicht mehr bauen. Allerdings enthält dieser Preis die Grundstückskosten. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz ließ kürzlich durchblicken, dass der Bau einer Sozialwohnung in der Hansestadt 2 500 Euro pro Quadratmeter kostet – ohne Grundstückskosten. Scholz ist das noch zu viel: Er visiert 1 800 Euro an, eine Marke, die Vonovia in Bochum erreicht hat.

Wir nehmen das Thema des sogenannten Seriellen Bauens seit langer Zeit sehr ernst. Es kann nicht sein, dass wir uns damit zufriedengeben, dass eine neue Wohnung 4.000 Euro pro Quadratmeter kostet. Das führt, damit man damit noch Geld verdient (und das muss jeder, der das professionell macht), zu Mieten irgendwo zwischen 15 und 20 Euro pro Quadratmeter. Nettokalt. Damit kann sich dann wirklich niemand mehr normale Lagen leisten. Mein Ziel ist das nicht. Jetzt kann man darüber jammern oder sich hinsetzen und Ideen entwickeln.

Die erste Frage, die ich mir immer wieder stelle: Was sind die größten Kostenfaktoren und was die größten Unsicherheiten? Umweltvorschriften wie EnEV2014 kann man als Kostentreiber nennen, aber ich kann sie als Entwickler nicht beeinflussen. Ich muss damit leben und das Beste daraus machen. Immerhin entsteht Mitbewerbern kein Vor- oder Nachteil, denn Gesetze gelten für alle.

Ich bin bei zahlreichen Analysen von Projekten auf das Ergebnis gekommen, dass Zwischenfinanzierungen von Bauphasen Geld kosten. Auch der Faktor Arbeit kostet Geld. Genehmigungsverfahren halten auf und kosten Geld. Und individuelle Lösungen kosten Geld.

Wie wäre es, wenn wir durch Automatisierungen Bauteile schneller fertigen können? Autos werden am Fließband gebaut… Wie wäre es, wenn wir mit standardisierten, fertig geplanten und genehmigten Baukörpern arbeiten und nur noch Fassade und Außengestaltung individualisieren?

Schneller starten und schneller fertig werden. Darum geht es. Das treibt mich um. Es kann und darf nicht sein, dass ein Neubau im Minimum 4.000 Euro pro Quadratmeter kostet. Die Hälfte reicht auch. Davon bin ich überzeugt.