Bedrohungen, eine Schule und Ziele der Kritik

Am ersten Maiwochenende berichtete die Abendschau des RBB über das von meinem Unternehmen verantwortete Entwicklungsvorhaben „Carré Sama-Riga“ in Berlin. Über das Vorhaben selbst ist viel diskutiert worden. Das will ich an dieser Stelle gar nicht weiter vertiefen.

Vielmehr will ich Ihren Blick auf den Abspann des Beitrages lenken – zu sehen ab etwa Minute 3. Dort hat das Kamerateam aus dem Hintergrund das eingefangen, was – zumindest in der Rigaer – mittlerweile kein Einzelfall mehr ist: Menschen werden bedroht. Sie werden verbal und – so empfinde ich es – körperlich bedroht, weil ihr Handeln nicht zum Weltbild anderer passt. Dabei bewegen sich die Bedrohten streng auf dem Boden des Rechtsstaates. Weder mein Unternehmen noch ich tun ungesetzliche Dinge. Im Gegenteil: Wir achten penibel darauf, dass von uns Gesetze und Regeln eingehalten werden.

Zu Terminen wie mit dem RBB komme ich mit offenem Visier. Ich verstecke mich nicht hinter Masken oder Vermummungen. Ich vertrete meinen Standpunkt nicht hinter Phantasienamen, sondern bleibe immer Christoph Gröner. Ich stehe zu dem, was ich tue. Und das wird auch so bleiben.

Solche Bedrohungen haben jedoch eine ernsthafte Folge: Sie vergiften ein Diskussionsklima. Argumente, Fakten, Gesetze – ja, der Rechtsstaat als Grundlage unseres Zusammenlebens – zählen nicht. Mit Gewaltandrohung soll verhindert werden, was sich mit rechtsstaatlichen Methoden nicht verhindern lässt: Wohnungsbau. Dabei hatte – zumindest mit Blick auf die Rigaer Straße – die Politik in Friedrichshain-Kreuzberg rund 5 Jahre Zeit. Aber erst nachdem für das Vorhaben eine Baugenehmigung vorliegt, kommt man auf die Idee, auf das Grundstück vielleicht doch besser eine Schule bauen zu wollen. Dabei ist dort eine Schule sinnvoller Größe gar nicht baubar. Warum nicht? Weil das Gelände viel zu klein ist. Nehmen wir eine Grundschule, denn für diese ist der Raum und Flächenbedarf am geringsten im Vergleich zu anderen Schultypen. Realistisch sind heute Planungen für vier bis fünf Züge – also vier bis fünf Klassen pro Jahrgang. Für Schulen dieser Größe rechnen Planer mit einem benötigten Grundstück von 9.000 bis 12.000 qm. Denn mit ein paar Klassenräumen ist es nicht getan: Turnhalle, Aula, Speiseraum, Horträume, Schulbibliothek, Computerraum, Schulwerkstatt, Lehrerzimmer, Sekretariat, Krankenzimmer, Flure – all das muss im Gebäude oder in Gebäuden untergebracht werden. Dazu kommen Freiflächen. Dort sollte es Sportanlagen für den Sportunterricht geben, vielleicht auch einen kleinen Schulgarten – und dazu auch noch einen normalen Hof mit Spielgeräten. Natürlich kann man eine Turnhalle unterirdisch planen, das Schulgebäude draufsetzen und Mensa sowie Aula über dem Klassenraumteil anordnen. Planer sprechen dann vom „Stapeln“. Dies ist allerdings nicht nur sehr anspruchsvoll mit Blick auf Planung und Bau, sondern auch extrem teuer. Hinzu kommt: Endlos in die Höhe kann gerade eine Grundschule nicht gebaut werden. Denn im Notfall müssen die Kinder die Schule ohne Hilfsmittel verlassen können. Also einfach so eine Schule bauen, das geht nicht. Die Vorschriften für Wohnhäuser sind schon sportlich. Für öffentliche Bauten, erst recht für Schulen, sind die Regelungen noch mal um einiges schärfer.

Aber natürlich hätte man darüber sprechen können. Und zwar zu Beginn des Verfahrens – vor vier oder fünf Jahren. Und nicht im Moment, wo die Baugenehmigung erteilt wurde.